Dyslexie ist eine Lernschwäche beim Erlernen der Lesefähigkeit, die trotz normaler Intelligenz, ausreichender Bildung und eines geeigneten soziokulturellen Umfelds auftritt und nicht auf mangelnde Lernmöglichkeiten, geistige Behinderung oder eine Gehirnerkrankung zurückzuführen ist.
Diese Schwierigkeit kann eine Störung der Wahrnehmungsintegration im zentralen Nervensystem umfassen (z. B. Schwierigkeiten beim Erkennen von Wörtern, beim richtigen Anordnen von Wörtern im Satz, phonetik-audiovisuelle Integrationsprobleme oder visuo-motorische Dysfunktion).
✔ Mit einem gut geplanten Sonderpädagogikprogramm können diese Kinder lesen und schreiben lernen.
✔ Diese Schwierigkeit verschwindet jedoch nie vollständig; ein dyslexisches Kind erreicht niemals das gleiche automatische Leseniveau wie ein normales Kind.
Laut dem DSM-IV (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen, vierte Auflage) der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung werden Entwicklungslernprobleme in drei Untergruppen eingeteilt:
✔ Erste Untergruppe: Lernstörungen, die Lese-, Rechen- und Schreibstörungen umfassen.
✔ Zweite Untergruppe: Kommunikationsstörungen, die expressive Sprachstörung, gemischte rezeptiv-expressive Sprachstörung, phonologische Störung (Artikulationsstörung) und Stottern einschließen.
✔ Dritte Untergruppe: Motorische Störungen, einschließlich Entwicklungskoordinationsstörung.
Es gibt zwei Wege, Lesen und Schreiben zu lernen – einen direkten und einen indirekten.
✔ Der direkte Weg (visueller Weg): Das Lesen erfolgt durch das Erkennen des gesamten Wortes ohne Buchstaben- oder Lautanalyse.
✔ Der indirekte Weg (phonologischer Weg): Das Lesen wird vom Teil zum Ganzen gelernt, durch Buchstaben-Laut-Analyse, bei der einzelne Grapheme in Phoneme umgewandelt werden.
Entsprechend wurden zwei Dyslexietypen identifiziert:
✔ P-Typ (perzeptiver Typ): Diese Kinder lesen korrekt, aber langsam und machen Fehler wie Pausen oder Wiederholungen.
✔ L-Typ (linguistischer Typ): Diese Kinder lesen flüssig und schnell, machen jedoch Fehler wie das Überspringen oder Ersetzen von Wörtern oder Silben.
✔ Das größte Problem bei dyslexischen Kindern ist nicht die Behandlung, sondern die Diagnose.
✔ Wie andere Lernstörungen ist Dyslexie eine verborgene Störung und kann auf den ersten Blick unbemerkt bleiben.
✔ Daher ist es schwierig, sie zu erkennen, bevor das Kind in die Schule kommt.
✔ Sie wird meist im Kindesalter festgestellt, wenn das Lesenlernen beginnt.
✔ Es gibt keine einzelne spezifische Ursache für Lernschwierigkeiten.
✔ Genetische Faktoren sind wichtig; Dyslexie tritt häufiger bei nahen Verwandten ersten Grades auf.
✔ Großangelegte Studien zeigen, dass 52–89,7 % der Kinder mit Dyslexie eine familiäre Vorgeschichte der Störung haben.
✔ Jeder Faktor, der die Gehirnfunktion in frühen Entwicklungsphasen beeinträchtigt (genetische, angeborene oder perinatale Ursachen), kann Lernschwierigkeiten verursachen.
✔ Infektionen der Mutter vor der Geburt, Medikamenteneinnahme oder Mangelernährung sowie Komplikationen während oder nach der Geburt (schwere Geburten, Nabelschnurverwicklungen, Plazentastörungen, Geburtsverletzungen) können zur Dyslexie beitragen.
✔ Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht, verlängerte Gelbsucht, Meningitis, Enzephalitis und Anämie sind ebenfalls Risikofaktoren.
✔ Auch erbliche Faktoren spielen eine Rolle; über 75 % der Lese- und Lernstörungen zeigen eine genetische Vererbung.
✔ Sie können die Begriffe rechts–links, oben–unten, vorher–nachher verwechseln.
✔ Sie haben Schwierigkeiten, ihre rechte und linke Seite zu unterscheiden.
✔ Die Dominanz von Hand, Bein oder Auge kann gemischt oder linksseitig sein.
✔ Sie können ähnliche Buchstaben (b/d oder p/b) verwechseln.
✔ Sie können ähnliche Laute (b/m oder f/v) verwechseln.
✔ Sie können Synonyme oder ähnliche Wörter (Teppich/Matte, Tante/Onkel) verwechseln.
✔ Sie können Buchstaben in Wörtern auslassen („pra“ statt „para“).
✔ Sie können die Reihenfolge der Buchstaben ändern („sak“ statt „kas“).
✔ Sie können Silben überspringen oder vertauschen.
✔ Sie können beim Lesen Zeilen überspringen.
✔ Sie können Wörter ohne Leerzeichen schreiben.
✔ Sie können spiegelverkehrt schreiben; der Text erscheint im Spiegel normal.
✔ Sie können Schwierigkeiten mit Satzzeichen haben.
✔ Sie können Schwierigkeiten haben, die allgemeine Bedeutung eines Textes zu erfassen.
✔ Sie können Schwierigkeiten haben, das Gelesene zu erklären.
✔ Ihre Aufmerksamkeitsspanne ist kurz und sie werden leicht abgelenkt.
✔ Ihre soziale Entwicklung ist schwach, sie verstehen sich möglicherweise schlecht mit Gleichaltrigen.
✔ Ihre Tiefen- und Entfernungswahrnehmung ist beeinträchtigt.
✔ Sie haben Schwierigkeiten, Figur und Hintergrund zu unterscheiden.
✔ Sie können Defizite in visueller, auditiver Wahrnehmung und Motorik aufweisen.
✔ Ihr Kurzzeitgedächtnis (visuell oder auditiv) ist schwach.
✔ Manchmal können sie im Kopf rechnen, aber nicht schriftlich.
✔ Sie erinnern sich nicht an Gesehenes oder können es sich nicht vorstellen.
✔ Sie können die Begriffe gestern, heute und morgen verwechseln.
✔ Sie können das Jahr, den Tag oder die Jahreszeit nicht unterscheiden.
✔ Sie verlieren häufig Bücher und persönliche Gegenstände.
✔ Dyslexie kann mit Rechenstörung (Dyskalkulie) und Schreibstörung (Dysgraphie) einhergehen.
✔ Sie kann auch mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Verhaltensstörungen und Depression einhergehen.
✔ Soziale Fähigkeiten sind im Vergleich zu Gleichaltrigen schwächer.
✔ Lernschwierigkeiten können nicht medikamentös behandelt werden.
✔ In Bildungsprogrammen werden Verhaltenstechniken eingesetzt.
✔ Familientherapien können die familiäre Anpassung während des Lernprozesses unterstützen.
✔ Das Kind besucht weiterhin die reguläre Schule und erhält gleichzeitig individuelle oder Gruppenförderung.
✔ Die psychologischen Prozesse, die die Entwicklung behindern, müssen identifiziert und korrigiert werden, um Fortschritte zu erzielen.